Lichter 2026- Eröffnungsfilm

Der Filz so echt wie der Beton

Der rechte Filz im System ist real – und genau das macht Faraz Shariats Staatsschutz so beklemmend. Ein Thriller von großer Spannung – und einem Angstgefühl, das nicht loslässt. In den Spiegel dieses Landes zu blicken, bedeutet hier vor allem: Unbehagen.

Das Vertrauen in den Staat wirkt in diesem Setting so dunkel wie eine Unterführung, so trist wie Aktenkorridore und so kalt wie der Beton, der die Ästhetik des Films prägt.

Im Zentrum steht die junge Staatsanwältin Seyo Kim (Chen Emilie Yan), die für einen Staat arbeitet, der sie zugleich zu verraten scheint. Sie ist eine Aufsteigerin im System, die beginnt, an dessen Strukturen zu zweifeln.

Im Gerichtssaal vertritt sie einen Fall mit rechtsextremem Hintergrund: Ein Afro-Deutscher ist Opfer eines Angriffs geworden, bei dem ein Luftgewehr und spitze Munition eingesetzt wurden. Kurz darauf folgt ein weiterer Prozess, in dem sie gegen einen mutmaßlich rechten Täter vorgeht – und selbst in Konflikt mit der richterlichen Ordnung gerät.

„Staatsschutz“ zeigt weniger Einzelfälle als ein System, das sich selbst offenlegt – kalt, architektonisch erstarrt, ohne echte Schutzfunktion, von Ohnmachtsgefühlen getragen- bis hin zur Selbstermächtigung.

Seyo wird schließlich selbst Ziel eines Angriffs und gerät in eine Dynamik, in der sich ihre Rolle verschiebt: Klägerin, Opfer, Teil des Apparats. Sicherheit existiert nur noch als Farce.

Der Film zieht seine Zuschauer bis zur letzten Minute in einen Zustand permanenter Fassungslosigkeit und Unbehagen. Seine Bilder sind verstörend, die Wirkung bedrückend – und das Fazit liegt unmittelbar nah an der Realität.

Staatsschutz, Regie: Faraz Shariat. Mit Chen Emilie Yan, Julia Jentsch, Sebastian Urzendowsky.

Gespräch mit Faraz Shariat

Text und Gespräch: Stella Christine Dunze