Jetzt bist du einfach nicht mehr da- Sechswochenamt
Lichter- Filmfest
Ein Film über Trauer, Bürokratie und eine Gesellschaft, die mit Gefühlen nicht umgehen kann.
Sechswochenamt von Jacqueline Jansen.
Lila ist die Farbe der Liebe. Für Lore (Magdalena Laubisch) – und für diesen Film.
Es beginnt mit einem Atmen, das nicht zu ihr gehört. Sie liegt nur da. Dann ist es vorbei.
Lores Welt wird schwarz und stoppt. Nichts wird jemals sein, wie es mal war.
Dieses Atmen liegt über dem Film. Der Schmerz durchdringt Lores Körper, und Magdalena Laubisch geht darin auf. Die Kamera bleibt an ihr, als gäbe es kein Außen mehr.
Absolute Einsamkeit. Stillstand. Schmerz, der sich verkrampft.
Regisseurin Jacqueline Jansen hat einen autobiografisch geprägten Film gedreht über Verlust, Loslassen und das Ende eines Lebens – so banal, wie alles um Lore herum. Die Kälte der anderen dringt in den Zuschauer ein. Eine Kälte, die wir kennen. Die Angst macht.
Lore verliert ihre Mutter. Und mit ihr jede Form von Halt.
Lore, 25, hat gerade ihr Studium abgeschlossen und lebt in einer WG. Im Hospiz nimmt sie Abschied von ihrer Mutter – ihrem einzigen Anker.
Die Außenwelt prallt nun ungebremst auf sie ein. Ihre Schwester Sophie (Lola Klamroth) spendet keinen Trost, ist abwesend, begegnet dem Tod mit Pragmatismus und Kälte. Die Großmutter bleibt abgeklärt.
Was Lore bleibt, sind die Wohnung, die Stimme, der Geruch. Spuren eines Lebens, das gerade noch da war. Ihre ganze Liebe – fortgetragen mit einem lila Luftballon.
Zwischen Einäscherung, Formularen und Fristen wird Trauer zur Verwaltungssache. Lore muss alles alleine regeln. Sie plant, mit einem bürokratischen Trick während des Sechswochenamtes, die Urne ihrer Mutter bei sich zu behalten.
In dieser Intimität zwischen Kamera, Protagonistin und Zuschauer verdichtet sich Schmerz und Trauma im Spiegel deutscher Bürokratie.
Magdalena Laubisch trägt den Film und zieht alles in ihren Bann. Ihr Spiel ist reduziert, roh, ohne Pathos.
Die Kamera von Markus Ott bleibt nah, immer beweglich. Sie beobachtet einfach.
Sechswochenamt interessiert sich nicht für Trost.
Sondern für das, was bleibt, wenn er ausbleibt.
Text: Stella Christine Dunze
Interview
„Die Konsequenz, mit der sie handelt, würde ich mir abschauen.”
Magdalena Laubisch
Während oben im Kinosaal der Filmpalette Köln noch Sechswochenamt über die Leinwand lief, sprachen wir im Keller des Traditionskinos mit Regisseurin Jacqueline Jansen und Schauspielerin Magdalena Laubisch über die Entstehung des Films, über Hoffnung und Trauer als Teil unserer Gesellschaft sowie über die Konsequenzen von Entscheidungen, die ein Leben nachhaltig prägen können.
Das Gespräch entstand im Rahmen der Premierentour zum Kinostart des Films, der am 18. Juni bundesweit in den Kinos startet.
Gespräch: Stella Christine Dunze