NACHBEBEN

Zwischen Gewissen und Ausnahmezustand

Mit Nachbeben liefert die dänische Regisseurin Zinnini Elkington ihr Langfilmdebüt, das bei den diesjährigen Robert Awards in Kopenhagen mehrfach ausgezeichnet wurde.

Erdrückender Stress in der Stroke Unit. Elkingon taucht radikal ein, in den Alltag eines dänischen Krankenhauses. Für die junge Neurologin Alexandra (Özlem Saglanmak) wird der erste Arbeitstag zum permanenten Ausnahmezustand. Lebensbedrohliche Notfälle, Entscheidungen im Sekundentakt, kein Raum für Zweifel.

Der im Dogma-Stil gedrehte Film spiegelt realitätsnah die Fatalität medizinischer Entscheidungen zwischen Sparzwang, Effizienz und Notwendigkeit.

Nach einer kurzen Morgenkonferenz wird sie nahezu sich selbst überlassen.

Als eine ältere Patientin mit einem schweren Schlaganfall eingeliefert wird, bleibt keine Zeit für lange Überlegungen. Verträgt sie die lebensrettende Infusion — oder kostet sie sie das Leben?

Alexandra entscheidet sich innerhalb weniger Minuten dafür. Kühl, konzentriert, beinahe wie eine Maschine, die funktionieren muss.

Wenig später erscheint der erst 18-jährige Oliver mit seiner Mutter in der Notaufnahme.

Nach kurzer Diskrepanz mit einer Kollegin entscheidet sich Alexandra gegen weitere Untersuchungen. Ein Moment der Entwarnung mit schwerwiegenden Folgen. Der junge Mann hatte einen Tag zuvor seinen Geburtstag gefeiert.

Der im Dogma-Stil gedrehte fiktive Thriller entfaltet eine dokumentarische Realität und zeichnet ein fesselndes bis hin erschreckendes Bild eines Gesundheitssystems zwischen Effizienz, Überforderung und Moralverlust.

Second Victims bezeichnet in der Psychologie das Trauma, das Medizinerinnen und Mediziner erleben, wenn etwas Tragisches geschieht.”

Ein Gespräch mit Zimmini Elkington

Gespräch und Text: Stella Christine Dunze